Die Bedeutung und Ursachen von milchfieber

Die Ursache für Milchfieber ist ein Kalziummangel im Blut. Die Milchkuh muss ihren Stoffwechsel am Ende der Trockenstehzeit abrupt von einer Ruhe- in eine Hochleistungsphase umstellen. Während das wachsende Kalb in der Gebärmutter lediglich etwa 2 - 10 g Ca/Tag benötigt, ändert sich der Bedarf mit Einschießen der Milch zur Kalbung enorm. Pro Liter Milch sind dann 2,3 g Kalzium notwendig. Bei Kühen, die nicht in der Lage sind, diesen erhöhten Bedarf an Kalzium rasch über die Mobilisierung der körpereigenen Reserven (z.B. aus den Knochen) oder über das Futter zu decken, sinkt der Kalziumgehalt im Blut ab.

Grafik zu Calciumblutkonzentration bei der Kuh

Kalzium - eine zentrale Rolle im Organismus der Kuh

Der Mineralstoff Kalzium hat bei der Erregungs- und Reizweiterleitung von Nerven auf die Muskulatur eine zentrale Funktion.

Ebenso wird Kalzium zur Kontraktion der glatten Muskulatur im Magen-Darm-Trakt, zur Kontraktion des Herzens und zur Kontraktion der Skelettmuskulatur benötigt.

Um Hormone und Sekrete auszuschütten, brauchen viele Drüsen ebenso Kalzium. In den Zellen des Immunsystems ist Kalzium an der Freisetzung von Botenstoffen beteiligt.


An diesen vielfältigen Aufgaben erkennt man, dass eine solche Mangelsituation um die Geburt erhebliche gesundheitliche Folgen für die Milchkuh haben kann. Das wiederum wirkt sich weiter auf die ökonomischen Verluste des Betriebes aus.


Kalziummangel mit Folgen

Sinkt nun aufgrund des enormen Kalziumbedarfes zu Beginn der Laktation der Kalziumgehalt im Blut ab, werden die Muskeln demzufolge nur noch unzureichend erregt. 
Die Kuh steht nur noch "wackelig" auf den Beinen und die Koordination der Bewegungen lässt nach. In der Folge liegt sie mehr und kann schließlich zum vollständigen Festliegen kommen. Ein großer Teil der im Muskel umgesetzten Energie wird in Form von Wärme freigesetzt und trägt zur Aufrechterhaltung der Körpertemperatur bei. Durch die verminderte Muskelkontraktilität sinkt deshalb bei Milchfieber die Körpertemperatur ab. Der Begriff "Milchfieber" ist deshalb etwas irreführend, da die Körpertemperatur nicht steigt, sondern sinkt, was sich zuerst an den typischen kalten Ohren der Kühe zeigt.


Da auch der Muskeltonus im Magen-Darm-Trakt absinkt, werden die Verweilzeiten des Magen-und Darminhalts erhöht. Das führt in der Folge zu Appetitlosigkeit und reduzierter Futteraufnahme. Weiterhin kann es zu Verstopfungen kommen. Durch die ebenso verminderte Kontraktion der Uteruswand treten häufiger Schwergeburten oder Nachgeburtsverhaltungen auf, die dann wieder Infektionen und Gebärmutterentzündungen nach sich führen können. Die Milchleistung ist aufgrund der verminderten Kontraktion der Alveolen in der Milchdrüse vermindert. Durch die herabgesetzte Funktion der Schließmuskulatur in der Zitze oder durch Verletzungen der Zitze aufgrund unkoordinierter Bewegungen der Hinterbeine ist die Gefahr der Entstehung von Euterentzündungen erhöht. Das Immunsystem ist in seiner Reaktion reduziert und die Milchkühe können aufgrund dieser Immunschwäche nur vermindert auf Infektionen reagieren. Das Herz schlägt schwächer, aber mit erhöhter Frequenz.

Wird die Mangelsituation noch verschärft, kann es schließlich

zum Bewusstseinsverlust

zum Koma

oder gar zum Tod führen


Das klinische Milchfieber mit seinen deutlich sichtbaren Symptomen des Festliegens stellt nur die Spitze des Eisberges dar. Die subklinische Hypocalcämie ist deutlich schwerer zu erkennen, da meist nur eines der genannten Symptome auftritt. 
Verglichen mit dem klinischen Milchfieber stellt die subklinische Hypocalcämie jedoch ein weitaus bedeutenderes gesundheitliches Problem für die Kuh und ökonomisches Problem für den Betrieb dar.


Kühe mit erhöhtem Milchfieberrisiko

Prinzipiell sind alle kalbenden Kühe einem Milchfieber-Risiko ausgesetzt. Die meisten zeigen Hypocalcämie in unterschiedlich starker Ausprägung.*


* Quelle: DeGaris, PJ and Lean, IJ (2009): Milk fever in dairy cows: A review of pathophysiology and controll principles. The Veterinary Journal 176, 58-69

Zu den Risikofaktoren für das Auftreten von klinischem Milchfieber bei Kühen oder ganzen Herden gehören:

Steigende Anzahl an Laktationen (2 und mehr)

Hohe Milchleistung

Vorausgegangene Milchfiebererkrankung

Körperkondition (BCS) zur Kalbung > 3,5
(eine Karte zur BCS Beurteilung können Sie hier bestellen)

Grasbetonte Fütterung bzw. Futter mit hohem Kalium- und Kalziumgehalt








FILM TEIL 1: URSACHEN VON MILCHFIEBER

Den vollständigen Film zum Thema Milchfieber finden Sie hier...